Bildung 4.0

Kinder und Jugendliche, die sich gerne auspowern, gehen zum Sportunterricht. Musikalische Mädchen und Jungen stellen ihr Können im Musikunterricht unter Beweis. Aber was ist mit denen, die sich für Technik und Computer interessieren? In der Schule finden sie leider kaum Angebote.

Wenn Kinder und Jugendliche fit werden sollen im Um- gang mit Technik, müssen sie sich so früh wie möglich in den Schulen intensiv mit Computer und Tablet als natürliche Lernmittel auseinandersetzen können. Leider ist unser Bildungssystem zurzeit nicht in der Lage, Schülerinnen und Schüler angemessen auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Ein internationaler Vergleich zeigt: In keiner anderen Industrienation nutzen Lehrpersonen seltener neue Technologien im Unterricht als in Deutschland.

Was also fehlt dem deutschen Schulbildungssystem? Von der Ausstattung über flächendeckenden IT-gestützten Unterricht bis hin zum qualifizierten Lehrpersonal gibt es enormen Nachholbedarf. Technische Bildung und Informatikunterricht müssen endlich bundesweit fest in den Lehrplänen verankert werden.

Warum ist das Thema für den VDI wichtig?

Der VDI betont seit langem, wie wichtig es ist, dass Kinder und Jugendliche so früh wie möglich an Technik herangeführt werden. Doch es gibt kaum Angebote. Bis auf Wettbewerbe und Angebote wie dem VDIni- Club bleibt es dem engagierten Nachwuchs oft selbst überlassen, zu experimentieren und zu programmieren. Warum ist das so? In den meisten Bundesländern wird an allgemeinbildenden Schulen inzwischen Informatik in der Sekundarstufe 1 und 2 angeboten – einzig in Hessen und Bremen müssen Kinder und Jugendliche in der Unter- und Mittelstufe auf das Fach verzichten – ansonsten werden aber in nur sechs Bundesländern in der Sekundarstufe 1 Unterricht mit technischen Inhalten angeboten. In der Oberstufe gibt es sogar nur noch in vier Bundesländern Technikunterricht.

Wie engagiert sich der VDI?

Zum Auftakt der Hannover Messe 2016 forderte VDI- Präsident Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer eine digitale Bildungs- und Qualifizierungsoffensive für Deutschland. Damit ließe sich Industrie 4.0 nachhaltig umsetzen. Allein im Schulbildungswesen rechnet Ungeheuer mit einem zusätzlichen Investitionsbedarf von rund zwei Milliarden Euro jährlich. Da das föderale Bildungssystem nicht kompatibel mit den technischen Anforderungen von heute und morgen sei, sieht er den Bund in der Pflicht, nun stärker Verantwortung zu übernehmen. „Die Vermittlung von Digitalkompetenz muss spätestens in der Schule beginnen“, erklärte Ungeheuer. „Es geht um Bildungseinrichtungen, die junge Menschen darin befähigen, als mündige Akteure die digitale Zukunft kreativ mitzugestalten.“ Der VDI wird sich deshalb auch in Zukunft weiter für eine digitale Bildungs- und Qualifizierungsoffensive für Deutschland einsetzen und mit eigenen Angeboten die Technikkompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern.

Komm, mach MINT

Ingenieurausbildung

Die Marke „German Engineering“ und das Gütesiegel „Made in Germany“ stehen weltweit für Innovationen, Qualität und Zuverlässigkeit. Ein, wenn nicht sogar der entscheidende Erfolgsfaktor hierfür sind dabei unsere hervorragend ausgebildeten technischen Fach- und Führungskräfte, insbesondere die Ingenieure.

Eine nachhaltige Veränderung hat die Ingenieurausbildung 1999 mit dem Start der Bologna-Reform erfahren. Ein wichtiges Ziel war es, europaweit die Studiengängen und -abschlüssen zu harmonisieren und die internationale Mobilität der Studierenden zu erhöhen.

Warum ist das Thema für den VDI wichtig?

Im Zuge der Umsetzung der Bologna-Reform in Deutschland wurde der akademische Grad des Diplom-Ingenieurs abgeschafft. Für viele Studiengänge gibt es heute keinen akademischen Grad mehr, der explizit ausdrückt, dass es sich um einen Ingenieurstudiengang handelt. Häufig wissen die Studierenden nicht einmal mehr, ob sie später die Berufsbezeichnung Ingenieur tragen dürfen. In diesem Handlungsfeld sieht der VDI einen deutlichen Nachbesserungsbedarf der Bologna-Reform.

VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer fordert deshalb, unbedingt wieder Transparenz in die Abschlüsse zu bringen. „Wir haben allen Grund, die deutsche Ingenieurskultur und „German Engineering“ weiter zu pflegen und zu stärken. Das fängt damit an, dass zunächst einmal wieder klar und transparent wird, welcher Studiengang eigentlich ein ingenieurwissenschaftlicher ist. Der VDI setzt sich deshalb für die bundesweite Einführung der akademischen Grade Bachelor und Master of Engineering bzw. Master of Science in Engineering ein.“

Wie engagiert sich der VDI?

Um sich grundsätzlich ein Bild von den Auswirkungen der Bologna-Reform zu machen, hat der VDI die Studie „15 Jahre Bologna-Reform – Quo vadis Ingenieurausbildung?“ mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau und der Stiftung Mercator beauftragt. Sie wurde im Rahmen einer Politikveranstaltung in Berlin präsentiert.

Der VDI wollte wissen: Ist die Bologna-Reform gelungen? Wie gut können deutsche Hochschulen mit den Bologna- Anforderungen umgehen und wie gut sind sie auf die Ingenieurausbildung vorbereitet? Das wichtigste Ergebnis: Die Hochschulen „können“ Bologna – aber nur mit Abstrichen. Die Bologna-Bilanz in den Ingenieurwissenschaften fällt bisher bestenfalls gemischt aus. In den Unternehmen ist Bologna zwar grundsätzlich angekommen und wird akzeptiert. Doch um die hohe Qualität der Ingenieurausbildung für die Zukunft zu sichern, müssen erhebliche Herausforderungen gemeistert werden. VDI-Präsident Ungeheuer sieht klaren Handlungsbedarf: Die Universitäten und Hochschulen sollten auf zu stark spezialisierte Bachelor-Studiengänge verzichten und Studierende dafür breiter ausbilden, den Praxisbezug stärken und ein Mobilitätsfenster in die Curricula einbauen, um hierdurch das Studieren im Ausland zu fördern.

Während eine klare Mehrheit der Hochschullehrenden die Ausbildung in den Bachelor- und Master-Studiengängen als praxisnah beurteilt, vermissen viele Arbeitgeber ausreichende Praxiskenntnisse bei den Absolventen. Genau diese Kenntnisse sind aber für Unternehmen zu 48 Prozent für eine Einstellung entscheidend.

Video 

Jetzt teilen

Blogbeiträge