Knapp drei Viertel der Deutschen wohnen in urbanen Ballungsräumen. Tendenz steigend. In Deutschland  wie auch weltweit werden daher die Strategien und Maßnahmen der Städte bei der Bewältigung der globalen umweltpolitischen Herausforderungen eine Schlüsselrolle spielen. Bürger wünschen sich verlässliche Verkehrssysteme, bezahlbaren Wohnraum sowie eine funktionierende öffentliche Ver- und Entsorgung. Diese Ansprüche treffen auf Herausforderungen, die sich  aus Klimawandel, Migrationsströmen und demografischen Veränderungen ergeben. 

Mensch und Technik, näher als in einer Stadt können sie sich kaum kommen. Neue Ideen, Innovationen und zukunftsfähige Techniken wirken unmittelbar auf Gesundheit und Lebensqualität der Menschen. Mobilität von Menschen, Gütern und Informationen, Integration der Arbeitswelt in den Lebensraum, sichere, bezahlbare Ver- und Entsorgung (Wärme, Strom, Gas, Breitband, Wasser, Abwasser), Zusammenspiel der Generationen  mit durchaus divergierendem Lifestyle – und das alles in einem lebenswerten Klima einer Stadt. Dieses komplexe Zusammenwirken diverser soziökonomischer Sub systeme basiert auch auf fundierter Ingenieurkunst.

Warum ist das Thema für den VDI wichtig?

Die Stadt der Zukunft erfordert das Denken in Systemen und Alternativen unter teilweise schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Für die Entwicklung nachhaltiger Lösungen für die Städte von morgen ist sowohl das interdisziplinäre Arbeiten  als auch die Beteiligung von Stakeholdern bereits bei der Konzeption der Prozesse zwingend notwendig. Bei der Vernetzung, dem Monitoring und der Optimierung städtischer Infrastrukturen nimmt die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) nicht nur eine Schlüsselrolle ein, sondern ermöglicht zudem neue Geschäftsmodelle. Benötigt wird ein ganzheit licher Ansatz, der Stadtentwicklung als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe unter Beteiligung aller betroffenen Stadtbewohner betrachtet. 

Wie engagiert sich der VDI?

Mit seiner Initiative „Stadt:Denken“ fördert der VDI das strukturierte Zusammenwirken der stadtaffinen Ingenieurdisziplinen unter Einbeziehung der Gesellschaftswissenschaften. Ziel ist die Wissensvermittlung und Managementunterstützung für Entscheidungsträger. Projekte und Strategien von Kommunen, Bürgern und Wissenschaft gemeinsam vor Ort umzusetzen und zu verstetigen – das ist der Ansatz der Initiative „Stadt:Denken“.

VDI

In der Initiative vertreten sind stadtaffine Experten  aus nahezu der gesamten VDI-Gruppe – aus mehreren VDI-Gesellschaften, der VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH (VDI ZRE) und der VDI / VDE Innovation + Technik GmbH. Unterstützt wird die Initiative auch von externen Experten. Der Fokus der VDI-Initiative liegt, im Unterschied zu vielen anderen Smart-City-Bewegungen, auf der mitteleuropäischen gewachsenen Stadt mit ihren teils in Jahrhunderten entwickelten Strukturen und Systemen.

Die VDI-Initiative Stadt:Denken geht mit Entscheidungsträgern in Verwaltung, Forschung und Lehre in einen Dialog, um sie bei der Planung der „Stadt der Zukunft“ zu unterstützen und gemeinsam herauszufinden, welchen Beitrag Ingenieure für das Zusammenleben im Jahr 2030 leisten können. 2016 hat die Initiative neue Ergebnisse vorgelegt. Mit welchen Schwerpunktthemen beschäftigen sich deutsche Kommunen heute und im Jahr 2030? Was sind die wichtigsten Handlungsfelder der Stadt der Zukunft? Diese Fragen hat die Initiative gemeinsam mit der Universität Hohenheim den (Ober-)Bürgermeistern aller 11.084 deutschen Kommunen gestellt. Die Ergebnisse der Befragung bündelt die Studie „Das denken die deutschen Kommunen – Handlungs felder heute und im Jahr 2030“. Die Themen Mobilität, Energie, lokales Klima, Stadtentwicklung, Ressourcen effizienz und Abfallwirtschaft sind dabei als Handlungsfelder definiert. Zudem beschäftigt sie sich mit Digitalisierung und Bürgerbeteiligung.

Zentrales Ergebnis der Studie: Der Ausbau intelligenter Energieversorgung wird in Gemeinden, Klein- und Großstädten als das bedeutendste zukünftige Thema gesehen. Heute dominiert hingegen noch die Thematik der Gebäudesanierung und Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden. Die Studie zeigt auch: Ressourceneffizienz findet heute in über der Hälfte aller Kommunen noch keine große Aufmerksamkeit. Erste Ergebnisse der Befragung wurden im Rahmen der Woche der Umwelt beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue im Juli 2016 vorgestellt und erstmals mit der Öffentlichkeit diskutiert. Eine weitere öffentliche Präsentation der final ausgewerteten Ergebnisse erfolgte im Rahmen der Messe BAU im Januar 2017, bei der auch die Publikation „Kommunen heute und im Jahr 2030“ präsentiert wurde. 

Speziell für den Mobilitäts- und Gebäudebereich erschienen 2016 zwei weitere Veröffentlichungen. Der VDI- Statusreport „Verkehr und Umfeld im Wandel“ befasst sich mit den Veränderungen durch die modernen IKT und zeigt Tendenzen für zukünftige Entwicklungen auf. Die Broschüre „Handlungsfelder: Gebäude 2025“ wagt einen Blick in die Zukunft. Megatrends wie Klimawandel, Ressourcenverknappung und eine alternde Gesellschaft führen zu Veränderungen bei Gebäuden. Die Publikation zeigt, wie durch Fortschritte in Querschnittsdisziplinen wie der Werkstoffwissenschaft, der Automation oder der Digitalisierung Gebäude in vielen Bereichen neu gedacht werden müssen.

www.vdi.de/stadtdenken

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