Der Begriff „Smarthome“ ist in aller Munde. Im Fokus von Smarthome stehen Verfahren und Systeme, die eine Vernetzung und intelligente Steuerung von technischen Geräten und Anwendungen in Wohngebäuden bzw. in Wohnungen mit einem hohen Automationsgrad anstreben. Kurz gesagt: Es handelt sich um ein intelligent vernetztes Gebäude, in dem die einzelnen Komponenten nicht weiter isoliert betrachtet, sondern sinnvoll miteinander verknüpft werden.

Zum Teil wird dabei auf bereits existierende Standardfunktionen zurückgegriffen. Erst die vollständige Vernetzung, die zunehmend über Internetkomponenten realisiert wird, ermöglicht völlig neue (Assistenz-) Funktionen. So können bislang getrennte Steuerungssysteme beispielsweise für Heizung, Jalousien, Haushaltsgeräte, Alarmanlagen, Multi-Media und Beleuchtung jetzt miteinander interagieren. Smartphones, Tablets und andere externe, personenbezogene Geräte ermöglichen die Bedienung und Steuerung – per Mobilfunk sogar von jedem Punkt der Erde aus. Die Ziele der neuen digitalen Lebenswelten sind vor allem ein höheres Maß an Sicherheit, mehr Komfort und Lebensqualität sowie bessere Energieeffizienz. Assistenzfunktionen in Wohngebäuden fördern außerdem die Barrierefreiheit und erleichtern Menschen mit Einschränkungen den Alltag.

Innogy Smarthome

Warum ist das Thema für den VDI wichtig?

Intelligente Assistenzsysteme ermöglichen älteren Menschen einen längeren Verbleib in ihrer gewohnten Wohnumgebung und ein weiterhin selbstbestimmtes Leben. Gerade angesichts des beschleunigten demografischen Wandels in Deutschland wird der Bedarf an solchen technischen Hilfen – quantitativ und qualitativ – enorm zunehmen. Mit der Richtlinienreihe VDI 6008 „Barrierefreie Lebensräume“ gibt der VDI bereits Empfehlungen für Anforderungen an das barrierefreie Planen und Gestalten im Wohnungsbau.

Etwa 40 Prozent der Energie in Deutschland wird in Gebäuden verbraucht. Ohne eine deutliche Reduzierung dieses Energieverbrauchs sind die Ziele der Klima- und Energiepolitik nicht zu erreichen. Durch den Einsatz von Gebäudeautomation, auch im Wohnbereich, kann ein erheblicher Anteil an Energie eingespart werden. Durch die Anbindung an das Smart Grid können die Lastprofile ohne Komforteinbuße an das Stromangebot aus regenerativen Energien angepasst werden. Die Assistenzfunktionen des Smart Homes beziehen die Gebäudenutzer in die Steuerung ein und Energiesparpotenziale werden für die Nutzer transparent.

Die Gebäudeautomation ist nach Auffassung des VDI von hoher Bedeutung für den Innovationsstandort Deutschland. Das Marktpotenzial für Smarthome ist immens. Laut einer Studie der VDI / VDE Innovation + Technik GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wird Smart Home schon 2025 mit einem geschätzten Umsatz von 19 Milliarden Euro in Deutschland Standard sein. Die Fernsteuerung von Komponenten via Tablet oder Smartphone wird zur Normalität und die Kommunikation mit den Geräten via Gestik und Sprache immer innovativer werden. Technisch ist eine smarte Vernetzung längst möglich, jedoch fehlen bislang Standards.

Wie engagiert sich der VDI?

Im Fachausschuss „Elektrotechnik und Gebäudeautomation“ der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (GBG) arbeiten Experten aus der Elektrotechnik, der Automation und der Heizung-, Klima-, Lüftungsbranche sowie der Gebäudewirtschaft zusammen, um die Vernetzung der Gewerke des Bauens zu fördern. Hier werden VDI-Richtlinien erarbeitet, Veranstaltungen für Fachleute vorbereitet und ein regelmäßiger Austausch der aktiven Fachleute aus Industrie, Ingenieurbüros, Hochschule und Anlagenbau ermöglicht. Die in der Richtlinienreihe VDI 3813 „Raumautomation“ dargestellten Potenziale der Energieeinsparung durch Gebäudeautomation werden bei der Überarbeitung der Richtlinie VDI 3812 „Assistenzfunktionen zum Wohnen“ auf den Wohnbereich übertragen.

Aktuell wird an der Novellierung der Richtlinienreihe VDI 3814 „Gebäudeautomation“ und der Zusammenführung mit der bisherigen Richtlinienreihe VDI 3813 gearbeitet. Ziel ist es, die unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven aus der Anlagenautomation und der Raumautomation zusammenzuführen. In diesem Zusammenhang werden die zehn Richtlinien der bestehenden Richtlinienreihe neu strukturiert und inhaltlich aktualisiert. Mit der Agenda „Gebäudeautomation“ hat der VDI im Mai 2016 die notwendige Transparenz über Inhalte und Ziele dieser Arbeit gegenüber den Nutzern der aktuellen Richtlinienreihen, anderen Vereinen, Verbänden und Regelsetzern sowie der interessierten Fachöffentlichkeit geschaffen.

Auch in den Regionen gab es einige Veranstaltungen zum Thema Smarthome. So lag beispielsweise der Fokus des VDI-Bezirksvereins Hamburg im März auf den Techno - lo gien und Systemen für Hausvernetzung und -überwachung. Ein Schwerpunkt war das Verhältnis von Mensch und Technik innerhalb der Mensch-Computer-Interaktion. Sprich: Wie muss eine benutzergerechte Gestaltung von Smarthome-Komponenten sein, damit sie sich für jedermann als möglichst intuitiv bedienbar darstellt.

Die Fachkonferenz „Gebäudeautomation“ im Rahmen des VDI-Kongresses Automation 2016 ist ein wesentliches Forum zur Diskussion von aktuellen Themen und Trends des Fachgebiets. Im Laufe des Jahres 2017 werden die ersten überarbeiteten Richt linien der Reihe VDI 3814 als Entwurf erscheinen. Die Inhalte der aktuellen Fassung konnten weitgehend als DIN EN ISO 16484 zum Weltstandard weiterentwickelt werden.

www.vdi.de/gbg 

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