Vor dem Hintergrund anerkannter ökologischer Grenzen sollen sowohl ein umweltverträgliches, qualitatives und somit nachhaltiges Wachstum ermöglicht, als auch  die Wettbewerbsfähigkeit und die Widerstandskraft des Standorts Deutschlands gestärkt werden. Das ist das  Leitbild der „Green Economy“: eine umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaft, die gleichzeitig international wettbewerbsfähig ist. 

Voraussetzung einer Green Economy ist eine umfassende ökologische Modernisierung der gesamten Wirtschaft – dies betrifft vor allem den Ressourcenverbrauch, die Steigerung von Energie- und Rohstoffproduktivität, die Emissionsreduktion, die Produktgestaltung sowie die entsprechende Umstellung von Wertschöpfungsketten.

Warum ist das Thema für den VDI wichtig?

Green Economy ist nicht nur die Antwort auf die Herausforderungen durch Klimawandel, knappe Ressourcen und Umweltbelastungen, sondern auch ein Synonym für erhebliche wirtschaftliche Chancen, die sich Deutschland bieten – vor allem auch durch die Entwicklung und den Export innovativer nachhaltiger Technologien und Verfahren. Dies erfordert den interdisziplinären Wissensaustausch von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen, aber auch mit Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern, wozu der VDI eine ideale Plattform bietet.

Photothek | FONA

Wie engagiert sich der VDI?

Die VDI Technologiezentrum GmbH (VDI TZ) unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bei der Entwicklung und Umsetzung der Forschungsagenda Green Economy. Die Forschungsagenda Green Economy wurde als Leitinitiative in das BMBF- Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen“ FONA³ eingebettet. Die VDI Technologienzentrum GmbH veranstaltete im November 2016 im Auftrag des BMBF bereits die dritte Green Economy Konferenz in Berlin. Ziel der Konferenz, zu der Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und Bundesumwelt ministerin Barbara Hendricks die Teilnehmer begrüßten, war es, neue Kooperationen für Nachhaltiges Wirtschaften zu initiieren und Impulse für den Wandel zur Green Economy zu entwickeln. Im Mittelpunkt standen dabei die Bereiche Produktion, Konsum und Finanzwirtschaft. Diese sollen durch gemeinsames Handeln von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft künftig noch mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden.

Die VDI Technologienzentrum GmbH begleitet den Green-Economy-Agendaprozess seit seiner Konzeptionierung und betreibt derzeit die Umsetzungsplattform Green Economy. Mit der aktuellen Fördermaßnahme „Plastik in der Umwelt“ adressiert das BMBF im Rahmen der Leitini tiative Green Economy das evidente Problem des weltweit zunehmenden Aufkommens von Mikroplastik und Plastikmüll in Meeren, Flüssen, Seen und anderen Ökosystemen. In interdisziplinären Verbundprojekten soll das Ausmaß des Problems präziser quantifiziert, Eintragspfade und Ursachen identifiziert und Maßnahmen zur Reduktion und Vermeidung von Kunststoffeinträgen in die Umwelt entwickelt werden. Die VDI TZ war maßgeblich an der Entwicklung der Fördermaßnahme beteiligt und betreut einen Teil der Antragsteller als Projektträger. 

Eine weitere wichtige Säule der Green Economy ist die Bioökonomie, die auf der nachhaltigen Nutzung biologischer Ressourcen wie Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen basiert. Wesentliche Grundlage liefert die industrielle Biotechnologie, die im Fachbereich „Biotechnologie“ der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences (TLS) verankert ist. Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf dem Technologiekonzept „Bio raffinerie“, das eine besonders ressourceneffiziente Verwertung orga - n ischer Rohstoffe ermöglicht. Mit der Richtlinie VDI 6310 „Klassifikation und Gütekriterien von Bioraffinerien“ werden unterschiedliche Bioraffineriekonzepte klassifiziert und Standards zur Nachhaltigkeitsbewertung formuliert. Neben der Technikentwicklung hat der  VDI auch Technikfolgen der Bioökonomie im Blick: Die Richtlinien VDI 4330 bis VDI 4333 zielen darauf ab, mögliche Umweltwirkungen – etwa durch den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) – frühzeitig und sicher zu erkennen.

Sehr wesentliche Beiträge liefert in diesem Zusammenhang auch das Netzwerk der VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (GVC), das  sich bei Konzeption und Betrieb verfahrenstechnischer Anlagen intensiv mit Fragen der Energieeffizienz und des Umweltschutzes auseinandersetzt. Für den Austausch über konkrete Fragestellungen aus dem betrieblichen Alltag bietet die VDI-Informationsplattform für Betriebsingenieure mit sechs Regionalgruppen ein fest etabliertes Netzwerk. Wissenschaftlich geprägte Themen von übergeordneter Bedeutung werden in der gemeinsamen  Initiative ProcessNet von GVC und DECHEMA bearbeitet.

www.green-economy-plattform.de/

Jutta Rotter | pixelio.de

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