Die Energiewende hat die Energieversorgung Deutschlands auf eine komplett neue Grundlage gestellt. In  den nächsten Jahrzehnten soll der Bedarf überwiegend durch erneuerbare, im Wesentlichen auf Sonne und Wind beruhenden Energien realisiert werden. Schon heute machen die erneuerbaren Energien rund ein Drittel unserer Stromversorgung aus. Die Folge: Unser gesamter Energiemarkt befindet sich im Umbruch. Deutschland geht mit seiner Energie- und Klimapolitik voran und wird weltweit beobachtet.

Allerdings müssen noch zahlreiche Antworten auf zentrale Fragen gefunden werden, um eine nachhaltige, wettbewerbsfähige und sichere Energieversorgung zu gewährleisten. Flankierend brauchen wir ein flexibles Strommarktdesign. Mit anderen Worten: Es geht um nicht weniger als ein komplett neues Energiesystem in Deutschland und um den Auf- und Ausbau einer völlig neuen Infrastruktur für die Strom- und Wärmeversorgung. Dazu zählen die entsprechenden Durchleitungsnetze, die Erforschung und Errichtung von Strom- und Wärmespeichern, der Ausbau des EU-Energiebinnenmarkts, das Lastmanagement sowie eine dezentrale Erzeugung. Erzeuger und Verbraucher müssen zunehmend flexibel miteinander agieren.

Thomas Ernsting | LAIF

Warum ist das Thema für den VDI wichtig?

Diskussionen um die Energiewende und die damit verbundenen Fragen nach Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit sind kontrovers. Immerhin: Konsens besteht in der Prognose, dass die Energiewende zu einem starken Impulsgeber für Innovationen in neue Technologien wird. Hier sieht sich der VDI als Sprecher der Ingenieurinnen und Ingenieure  in der Pflicht, richtungsweisende Empfehlungen für  die erfolgreiche Umgestaltung des Energiesystems zu geben – und zwar unvoreingenommen auf der Grundlage allen verfügbaren technischen und naturwissenschaftlichen Wissens. Eine erfolgreiche Umsetzung  der Energiewende hat positive Auswirkungen auf den Klimaschutz und auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Denn eine größere Unabhängigkeit von Energieimporten ist mit einer Entkopplung der Wirtschaft von Preisschwankungen fossiler Energieträger verbunden.

Wie engagiert sich der VDI?

In der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (GEU) engagieren sich ehrenamtliche Experten der verschiedensten energie- und umwelttechnischen Disziplinen. Sie erarbeiten gemeinsam Stellungnahmen, Positionspapiere, Statusreports, Handlungsempfehlungen und VDI-Richtlinien zu regenerativen Energien, Energiepolitik und Klimaschutz. GEU-Fachausschüsse beschäftigen sich mit speziellen Teilaspekten der Energiewende, wie Brennstoffzellen, Energiespeicher, Mikro-KWK- Anlagen, Kraftwerkstechnik, Strömungsmaschinen, Thermodynamik und Verbrennungskraftmaschinen.

Die norddeutschen VDI-Landesverbände veranstalteten im April 2016 gemeinsam das VDI EU-Forum „Energiewende durch Offshore-Windenergie“ in Brüssel, das  sich gezielt an EU-Parlamentarier sowie Vertreter von EU-Kommission, Verbänden, Unternehmen und Organisationen richtete. Der Tenor: Windenergie liefert einen wesentlichen Beitrag zu einer erfolgreichen Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere im Offshore- Bereich. Die Landesverbände betonten, dass dies auch  gute Chancen für einen Strukturwandel in den Küstenregionen bietet.

Im September 2016 hat der VDI den Entwurf des Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung kommentiert. Für den VDI sind die Verbesserung der Energieeffizienz, die Entwicklung von Speichertechnologien, die Entwicklung der Netze, die umfassende energetische Sanierung des Gebäudebestands, eine Verschärfung der energetischen Anforderungen an Neubauten sowie der Ausbau der erneuerbaren Energien wichtige Felder, um die Klimaschutzziele  der Bundesregierung zu erreichen. Wertvolle Zeit geht aus Sicht des VDI jedoch verloren, weil verbindliche CO²-Reduktionsziele für  die wesentlichen Sektoren vom Gebäudebereich über die Energiewirtschaft, den Verkehr bis hin  zur Landwirtschaft nicht formuliert werden. Wirtschaft, öffentliche Hand und die Bürgerinnen und Bürger erhalten dadurch keinerlei Investitionssicherheit. 

Die Kombination der Versorgung aus konventionellen und erneuerbaren Energiequellen schafft neue effiziente Lösungen für Bestandsgebäude, Neubauten, Quartiere und Siedlungen. Des Weiteren zeichnet sich ein radikaler Wandel bei der Versorgung hin zu dezentralen Lösungen ab. Hier setzte die 4. VDI-Fachtagung zum Thema „Dezentrale und Hybride Energiesysteme für Gebäude und Quartiere – Verknüpfung von konventioneller  und erneuerbarer Technologie“ der VDI Wissensforum GmbH an und bot Experten ein Forum für fachliche Diskussionen, um Praxiserfahrung auszutauschen und sich über Neuerungen zu informieren.

Der VDI begrüßt das im November 2016 vorgestellte Grünbuch Energieeffizienz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und bestärkt dessen Aussage, dass Energieeffizienz eine wesentliche Voraussetzung zur Umsetzung der Energiewende ist. In seiner Kommentierung zum Grünbuch empfiehlt der VDI u. a. bessere Energieaudits für die Industrie sowie Standards für die Schulung und Weiterbildung der Berater. Um energieeffiziente Prozesse, Produkte und Verfahren beschreiben und bewerten zu können, müssen zuerst anerkannte Mess- und Bewertungsverfahren entwickelt werden. Der VDI hat entsprechende Richt linien zur grenzwertorientierten Bewertung bereits erarbeitet.

Thomas Ernsting | LAIF

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