Digitale Technologien und vernetzte Informationssysteme werden die Art und Weise, wie Menschen leben, wirtschaften und arbeiten, fundamental verändern. Die sogenannte „Arbeit 4.0“ beeinflusst natürlich auch die Arbeitswelt unserer Mitglieder und aller in Deutschland tätigen Ingenieurinnen und Ingenieure. Einige Studien zu den Beschäftigungseffekten der digitalen Transformation befürchten, dass uns das „Ende menschlicher Arbeit“ bevorsteht.

Ein Blick in die Historie zeigt allerdings, dass insbesondere Länder mit hohem Automatisierungsgrad heute die höchste Erwerbsbeteiligung aufweisen. Bedeutend dabei ist, dass es einen evolutionären Drift zu Arbeit mit geringer physischer Belastung, aber höherer Komplexität gibt. Dieser Trend wird durch die Digitale Transformation weiter verstärkt. Wir sind daher überzeugt: Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, sondern die Arbeitsinhalte werden sich verändern. Letztendlich entscheidet auch weiterhin der Mensch darüber, wie und in welchem Umfang er neue Technologien einsetzt.

Thomas Ernsting | LAIF

Warum ist das Thema für den VDI wichtig?

 

In puncto Fachkräfte sind wir derzeit fast bei einer Vollbeschäftigung. Der Abgang der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt wird allerdings einen Mangel an Fachkräften auf zeigen. Unsere Ingenieure prägen mit ihren Ideen und Innova tionen die bevorstehenden Veränderungen entscheidend mit. Sie werden jedoch auch mit neuen Qualifikationsanforderungen konfrontiert. Die Digitalisierung erfordert Digitalkompetenz und lebenslanges Lernen in den Unter nehmen. In der Qualifizierung für die Arbeit in digital vernetzten Prozessen und Systemen liegt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Daher will der VDI als Sprecher der Ingenieurinnen und Ingenieure den Wandel mitgestalten. Wir möchten Ideen entwickeln, wie zukunftsfähige Ingenieurs arbeit in diesem Spannungsfeld realisiert werden kann. Aus diesem Grund betrachten wir die digitale Arbeitswelt auch unter dem Aspekt der notwendigen Anpassung der Aus- und Weiterbildung von Ingenieuren.

Es wird künftig nicht mehr ausreichen, ein technisch versierter Experte auf nur einem Gebiet der Ingenieurwissenschaften zu sein. Der Ingenieur der Zukunft wird funktionsübergreifend an Schnittstellen arbeiten müssen. Ingenieure werden die Schnittstellen zwischen Mitarbeitern und Maschinen. Sie müssen häufiger fachübergreifend mit Kollegen, Geschäftspartnern und Kunden kommunizieren, die keinen technischen Hintergrund haben. Hier sind Interdisziplinarität und neue Führungsqualitäten gefragt. Der Ingenieur als Führungskraft wird zunehmend als Coach, denn als An weisungsgeber tätig sein. Denn nur so können Ingenieure die Mitarbeiter aller Qualifikations- und Altersklassen in die digitale Arbeitswelt mitnehmen und für Neues begeistern.

Wie engagiert sich der VDI?

Der VDI startete 2016 das „Interdisziplinäre Gremium Digitale Transformation“ unter der Leitung von Dr.-Ing. Kurt D. Bettenhausen. Ziel ist es, die Digitale Transformation aktiv zu begleiten und mitzugestalten, Standards zu setzen und zu helfen, geeignete Rahmenbedingungen zu entwickeln. Das Gremium sieht sich als Impulsgeber und Kompetenzplattform. Es möchte die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern und gesellschaftliche sowie politische Dialoge zu Chancen und Risiken führen.

Speziell zur digitalen Arbeitswelt entstand bereits 2014 im VDI der Fachausschuss „Arbeitswelt Industrie 4.0“ unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Bauer vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und Vorsitzender des VDI-Landesverbands Baden-Württemberg. Knapp ein Jahr später diskutierte der VDI mit Gästen aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft auf seiner Politikveranstaltung „Digitale (R)evolution – Wie gestalten wir die Arbeit der Zukunft?“ in Berlin über die Digitalisierung der Arbeit und ihre Folgen. Zeitgleich zum „Weißbuch Arbeiten 4.0“ von Bundes arbeitsministerin Andrea Nahles im November 2016 veröffentlichte der VDI-Fach ausschuss den Statusreport „Arbeitswelt Industrie 4.0“. 

Er richtet sich vorwiegend an Unternehmen, Politik und Verbände, die die Digitale Transformation in produktionsnahen Bereichen gestalten. Der Report definiert Aspekte von Arbeit und schlüsselt sie dann hinsichtlich ihrer Veränderung in der digitalen Ökonomie auf. Er untersucht, wie sich die zunehmende Automatisierung beispielsweise auf die Arbeitstätigkeit und den -ort sowie die Qualifizierung auswirkt. Derzeit erarbeitet das Gremium VDI-Richtlinien zur „Lernförderlichen Arbeitsgestaltung“.

Wie eine ganze Region den Weg in die Digitalisierung findet, davon hat sich der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck selbst ein Bild gemacht. Er informierte sich bei einem Besuch über das regionale Projekt „Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe“, kurz „it´s owl“, das für die Arbeit in der digitalen Welt Handlungsempfehlungen gibt. An dem von Unternehmen gestarteten Projekt ist auch der VDI-Bezirksverein Ostwestfalen-Lippe als Partner und Sponsor beteiligt.

Auch im VDI-Blog wird die Arbeit der Zukunft thematisiert, so etwa in der Adventskalenderaktion 2016. Hier stellten wir 24 verschiedene Ingenieurberufe und deren Veränderungen durch die Digitalisierung vor. Mit der Aktion läutete der VDI das Themenjahr 2017 „Smart Germany. Arbeit in der Digitalen Transformation“ ein. Auch der Deutsche Ingenieurtag am 11. Mai 2017 steht unter diesem Motto. Der VDI unterstützt mit dem Themenjahr Ingenieure dabei, sich noch besser auf die Anforderungen der Digitalisierung vorzubereiten. 

www.vdi.de/arbeit40 

Thomas Ernsting | LAIF

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